Die Zigarre: Wie sie entsteht, wie sie aufgebaut ist und wie man sie genießt

Eine Zigarre ist ein gerolltes Bündel aus fermentierten Tabakblättern: innen die Einlage, darum das Umblatt, außen das Deckblatt. Kein Papier, keine Zusätze, nur Tabak aus mehreren Blattstufen, die der Hersteller nach einer Rezeptur mischt. Zwischen der Ernte des Blatts und der ersten Zigarre aus der Kiste liegen oft ein bis zwei Jahre Handarbeit und Geduld; das erklärt, warum Zigarren als langsames Genussmittel gelten und warum ihre Lagerung so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Diese Seite beschreibt den Weg vom Feld zur Zigarre, den Aufbau, die Unterschiede zwischen Handarbeit und Maschine und die Grundregeln des Genusses, nüchtern einschließlich der gesundheitlichen Seite.
Vom Feld in den Trockenschuppen
Tabak für Zigarren wächst in tropischen Regionen, vor allem in der Karibik, in Mittelamerika, in Brasilien und Indonesien. Geerntet wird blattweise von unten nach oben, weil die Blätter am Stängel unterschiedlich reifen. Die unteren Blätter, Volado genannt, sind dünn und mild und sorgen für den Brand; die mittleren, Seco, liefern Aroma; die oberen, Ligero, bekommen am meisten Sonne und sind am kräftigsten. Erst die Mischung dieser Stufen ergibt die Stärke und den Charakter einer Zigarre.
Nach der Ernte hängen die Blätter in luftigen Scheunen und trocknen über etwa vier bis acht Wochen. Dabei verlieren sie ihr Grün, werden braun und geben einen Großteil des Wassers ab. Die Bedingungen werden über Fenster und Klappen gesteuert, damit das Blatt weder schimmelt noch zu schnell austrocknet.
Fermentation und Reifung
Die getrockneten Blätter werden zu Stapeln geschichtet, in denen sich durch Feuchte und Mikroorganismen Wärme entwickelt. Die Stapel werden regelmäßig umgeschichtet, damit die Temperatur nicht zu hoch steigt. In dieser Fermentation bauen sich Ammoniak, Bitterstoffe und ein Teil des Nikotins ab, das Blatt wird geschmeidig und entwickelt sein Aroma. Je nach Blattstufe dauert das Wochen bis Monate; kräftige Ligero-Blätter brauchen am längsten und werden teils mehrfach fermentiert.
Danach werden die Blätter sortiert, entrippt und in Ballen gereift, mitunter über Jahre. Wie beim Wein glätten sich dabei Ecken und Kanten. Wie viel Reifezeit ein Hersteller seinen Tabaken gönnt, ist eine der wichtigsten und am wenigsten sichtbaren Qualitätsentscheidungen.
Aufbau: Einlage, Umblatt, Deckblatt
Die Einlage bestimmt Stärke und Aromen. Der Roller, in Kuba Torcedor genannt, legt zwei bis vier Blätter verschiedener Stufen so zusammen, dass Luft durch die Zigarre ziehen kann; zu fest gerollt zieht sie schwer, zu locker brennt sie heiß. Das Umblatt hält die Einlage zusammen und gibt ihr Form. Das Deckblatt ist das feinste und teuerste Blatt, makellos und gleichmäßig gefärbt; es prägt Optik und einen guten Teil des Geschmacks. Helle Deckblätter wie Connecticut Shade wirken milder, dunkle Maduro-Deckblätter süßlicher und kräftiger.
Beim Longfiller bestehen Einlage und Umblatt aus ganzen Blättern, die Zigarre wird von Hand gerollt, in einer Form gepresst, mit Deckblatt und Kopf versehen und auf Länge geschnitten. Beim Shortfiller ist die Einlage geschnittener Tabak, gefertigt meist maschinell; das ist die Regel bei günstigen Zigarren und Zigarillos. Fertige Zigarren ruhen erneut, werden nach Deckblattfarbe sortiert, mit Bauchbinde versehen und in Zedernholzkisten verpackt.

Formate
Zigarren werden nach Länge und Ringmaß, dem Durchmesser in Vierundsechzigstel Zoll, unterschieden. Ein Robusto misst etwa 12 bis 13 Zentimeter bei Ringmaß 50, eine Churchill rund 18 Zentimeter bei Ringmaß 47, ein Petit Corona etwa 13 Zentimeter bei Ringmaß 42. Das Format bestimmt Rauchdauer und Hitze: Dünne Zigarren brennen heißer und wirken kräftiger, dicke ziehen leichter und rauchen kühler. Neben den geraden Parejos gibt es geformte Figurados wie die spitz zulaufende Torpedo oder die bauchige Perfecto.
Genuss: Anschneiden, Anzünden, Rauchen
Der Kopf der Zigarre wird angeschnitten oder angebohrt, damit der Zug frei wird; eine scharfe Klinge und ein unbeschädigtes Deckblatt sind dafür wichtiger als das Werkzeug. Angezündet wird mit geruchsneutraler Flamme, etwa Gasfeuerzeug, Zedernholzspan oder schwefelarmen Streichhölzern, langsam und gleichmäßig über den ganzen Fuß. Geraucht wird ohne zu inhalieren, mit langen Pausen zwischen den Zügen, damit die Glut nicht zu heiß wird. Eine Zigarre gilt im letzten Drittel als geraucht; sie wird abgelegt und erlischt von selbst. Die Einzelheiten stehen auf der Seite Zigarren rauchen.
Damit das gelingt, muss die Zigarre in gutem Zustand sein: weder ausgetrocknet noch zu feucht. Dafür sorgt der Humidor, dessen Grundlagen unter Zigarren lagern erklärt sind.
Gesundheit: die nüchterne Seite
Zigarren sind Tabakwaren, und ihr Rauch enthält dieselben Schadstoffe wie Zigarettenrauch, in größerer Menge je Stück. Weil Zigarrenrauch meist nicht inhaliert wird, verlagert sich das Risiko von der Lunge zu Mund, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre; Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen und kann auch so abhängig machen. Der gelegentliche Genuss ist weniger belastend als täglicher Konsum, aber nicht risikofrei. Die gesetzlichen Warnhinweise auf Zigarrenpackungen haben denselben Grund wie bei Zigaretten.
Kurz zusammengefasst
Eine Zigarre besteht aus Einlage, Umblatt und Deckblatt, drei Schichten fermentierten Tabaks aus unterschiedlichen Blattstufen. Trocknung, Fermentation und Reifung dauern Monate bis Jahre und entscheiden über Aroma und Stärke; Longfiller werden von Hand gerollt, Shortfiller meist maschinell. Genossen wird sie langsam, ohne zu inhalieren, in gutem Lagerzustand, und mit dem Wissen, dass auch sie ein Tabakprodukt mit Risiken bleibt.
Häufige Fragen
Woraus besteht eine Zigarre?
Wie lange dauert es, bis eine Zigarre fertig ist?
Was ist der Unterschied zwischen Longfiller und Shortfiller?
Ist Zigarrenrauchen weniger schädlich als Zigarettenrauchen?
Quellen und weiterführende Hinweise
- Archivierter Beitrag „Zigarre“ von humidore.net (2012), überarbeitet