Zigarren rauchen: Anschneiden, Anzünden und die Regeln des Genusses

Stand: 18. September 2026

Zigarre wird mit einem Gasfeuerzeug angezündet, der Fuß glüht gleichmäßig, im Hintergrund ein Aschenbecher und ein Cutter
Langsam und gleichmäßig über den ganzen Fuß: So beginnt eine Zigarre ohne Fehlbrand.

Zigarren rauchen unterscheidet sich vom Zigarettenrauchen in fast allem: Die Zigarre wird angeschnitten, langsam angezündet, nicht inhaliert und über eine halbe bis zwei Stunden geraucht. Wer die wenigen Regeln kennt, bekommt aus derselben Zigarre deutlich mehr Geschmack als jemand, der sie wie eine Zigarette behandelt. Die Regeln sind kein Zeremoniell um seiner selbst willen, sondern haben handfeste Gründe: Hitze, Zug und Sauberkeit des Brands.

Diese Seite erklärt den Ablauf Schritt für Schritt, vom Anschneiden bis zum Ablegen, und nennt die Fehler, die den Geschmack am häufigsten verderben.

Woher das Ritual kommt

Die Bewohner der Karibik und Mittelamerikas rauchten gerollte Tabakblätter lange vor der Ankunft der Europäer, oft in religiösem Zusammenhang. Mit den spanischen Seefahrern gelangte der Tabak nach Europa, wo er zunächst geschnupft und in Pfeifen geraucht wurde. Die Zigarre in ihrer heutigen Form verbreitete sich vom 18. Jahrhundert an über Sevilla und Kuba; im 19. Jahrhundert war sie das Rauchwerk der Wohlhabenden, später ein Alltagsprodukt mit Fabriken in vielen deutschen Städten. Die Regeln für den Genuss haben sich aus dieser Zeit erhalten, weil sie funktionieren.

Vorbereitung: der richtige Zustand

Eine gut gelagerte Zigarre ist die Voraussetzung. Zu trocken raucht sie heiß und scharf, zu feucht zieht sie schwer und geht aus. Vor dem Anzünden lohnt der Fingerdruck: Sie sollte leicht nachgeben und sich wieder aufrichten. Wie das Klima im Humidor dafür sorgt, steht unter Zigarren lagern; wer Zigarren mitnimmt, findet auf der Seite zum Reisehumidor die passenden Etuis.

Anschneiden

Am Kopf, dem geschlossenen Ende, wird eine kleine Kappe entfernt, damit Luft durch die Zigarre ziehen kann. Dafür gibt es drei Werkzeuge: Der Guillotine-Cutter schneidet gerade und ist die vielseitigste Wahl; der V-Cutter setzt eine Kerbe, die den Zug konzentriert; der Bohrer sticht ein Loch und eignet sich für dicke Formate, weil dabei keine Krümel in den Mund gelangen und das Deckblatt geschont wird. Geschnitten wird knapp oberhalb der Schulter, dort, wo die Rundung des Kopfes in den geraden Körper übergeht; wer tiefer schneidet, löst das Deckblatt. Eine scharfe Klinge ist wichtiger als die Bauart.

Anzünden

Die Flamme darf keinen Eigengeschmack haben. Benzinfeuerzeuge scheiden aus, ebenso Kerzen und schwefelreiche Streichhölzer; geeignet sind Gasfeuerzeuge, lange Streichhölzer nach dem Abbrennen des Kopfes und Zedernholzspäne. Der Fuß wird zunächst über der Flamme gedreht, ohne sie zu berühren, bis er rundum glimmt; dann wird bei ersten Zügen weiter gedreht, bis die Glut gleichmäßig ist. Ein kurzer Blick auf den Fuß zeigt, ob eine Seite hinterherhinkt; sie wird nachgezündet, bevor sie zum schiefen Brand führt.

Guillotine-Cutter, V-Cutter und Zigarrenbohrer nebeneinander auf einer Zedernholzplatte neben einer angeschnittenen Zigarre
Guillotine, V-Cut oder Bohrer: Alle drei funktionieren, wenn die Klinge scharf ist.

Rauchen: Tempo, Zug, Bauchbinde

Der Rauch wird in den Mund gezogen, dort einige Sekunden gehalten und ausgeblasen, nicht inhaliert. Zwischen zwei Zügen vergeht etwa eine Minute; wer schneller raucht, überhitzt die Glut, und die Zigarre wird bitter. Ein Zug sollte ruhig und lang sein, nicht kurz und kräftig. Wer die Aromen genauer wahrnehmen möchte, lässt einen Teil des Rauchs beim Ausatmen langsam durch die Nase entweichen; das ist Geschmackssache und für Einsteiger nicht nötig.

Die Bauchbinde bleibt zunächst an der Zigarre. Ihr Leim kann am Deckblatt haften, und ein Riss dort verdirbt den Zug; nach einigen Minuten löst sie sich durch die Wärme leichter. Die Asche hält bei einer gut gerollten Zigarre mehrere Zentimeter und schützt die Glut vor Überhitzung; sie wird abgestreift, nicht abgeklopft, sobald sie zu schwer wird.

Getränke und Umgebung

Zu einer Zigarre passen Getränke, die ihre Aromen ergänzen statt sie zu überdecken: Kaffee, Wasser, Rum, Whisky, ein trockener Rotwein oder Portwein, je nach Stärke der Zigarre. Ein ruhiger Ort ohne Zugluft ist wichtiger als jedes Zubehör, weil Wind die Glut heiß und den Brand schief werden lässt. Ein Aschenbecher mit breiter Ablage hält die Zigarre, wenn sie ruht.

Das Ende der Zigarre

Etwa im letzten Drittel sammeln sich Teer und Bitterstoffe, der Geschmack wird schärfer; hier gilt die Zigarre als geraucht. Sie wird im Aschenbecher abgelegt und erlischt innerhalb weniger Minuten von selbst. Ausdrücken wie bei einer Zigarette setzt einen unangenehmen Geruch frei und ist unnötig. Eine ausgegangene Zigarre kann innerhalb einer Stunde wieder angezündet werden, wenn zuvor die Asche entfernt und der Fuß kurz abgebrannt wird; am nächsten Tag lohnt es sich nicht mehr.

Typische Fehler

  • Zu tief angeschnitten, das Deckblatt löst sich.
  • Mit Benzinfeuerzeug oder Kerze angezündet, der Fuß schmeckt nach Fremdstoff.
  • Zu schnell geraucht, die Zigarre wird heiß und bitter.
  • Inhaliert, zu viel Nikotin auf einmal.
  • Bauchbinde sofort abgerissen, Deckblatt beschädigt.
  • Im Wind geraucht, schiefer Brand und Nachzünden.
  • Zigarre ausgedrückt statt abgelegt.
  • Trocken gelagerte Zigarre, keine Aromen mehr vorhanden.

Kurz zusammengefasst

Anschneiden knapp über der Schulter mit scharfer Klinge, anzünden mit geruchsneutraler Flamme rundum über den Fuß, rauchen ohne zu inhalieren mit etwa einem Zug pro Minute, Bauchbinde vorerst dranlassen, Asche abstreifen, im letzten Drittel ablegen und ausgehen lassen. Der Rest ist die richtige Lagerung vorher und ein ruhiger Platz.

Häufige Fragen

Inhaliert man Zigarrenrauch?
Nein. Der Rauch bleibt kurz im Mund und wird ausgeblasen; die Aromen entfalten sich über Zunge und Gaumen. Wer inhaliert, bekommt zu viel Nikotin und Rauch auf einmal ab.
Bleibt die Bauchbinde dran?
Zunächst ja. Der Leim kann am Deckblatt haften, und ein Riss ruiniert den Zug. Nach einigen Minuten löst sich die Binde durch die Wärme leichter, dann kann sie abgenommen werden.
Wie lange raucht man eine Zigarre?
Je nach Format 20 Minuten bis zwei Stunden, mit etwa einem Zug pro Minute. Schneller geraucht wird sie heiß und bitter.
Wann ist eine Zigarre zu Ende?
Etwa im letzten Drittel. Dort sammeln sich Teer und Bitterstoffe, der Geschmack kippt. Die Zigarre wird abgelegt und erlischt von selbst; ausdrücken erzeugt nur Gestank.
Darf man eine erloschene Zigarre wieder anzünden?
Innerhalb einer Stunde ja: Asche abstreifen, Fuß kurz abbrennen, neu anzünden. Am nächsten Tag schmeckt sie meist bitter und abgestanden.

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Archivierter Beitrag „Zigarren rauchen“ von humidore.net (2012), überarbeitet