Humidor einrichten und einfahren: Schritt für Schritt zum stabilen Klima

Ein neuer Humidor ist zunächst nur eine trockene Holzkiste. Bevor Zigarren hineindürfen, muss das Zedernholz Feuchte aufnehmen, bis es mit dem Zielklima im Gleichgewicht steht. Diesen Vorgang nennt man Einfahren oder Seasoning. Er dauert in der Regel ein bis zwei Wochen und entscheidet darüber, ob das Klima später stabil bleibt oder ob die ersten Zigarren austrocknen.
Die Reihenfolge ist dabei wichtiger als jede einzelne Methode: erst das Hygrometer prüfen, dann den Befeuchter vorbereiten, dann das Holz befeuchten, dann den Zielwert kontrollieren – und erst zum Schluss die Zigarren einsortieren. Diese Seite geht die Schritte durch, vergleicht die gängigen Methoden und nennt die Fehler, die in den ersten Wochen am häufigsten vorkommen.
Warum ein neuer Humidor eingefahren werden muss
Holz ist hygroskopisch: Es nimmt Wasser aus der Luft auf, bis sein Feuchtegehalt zur umgebenden Luftfeuchte passt. Ein Humidor verlässt Werkstatt und Lager mit dem Feuchtegehalt trockener Innenräume. Wird er dann mit einem Befeuchter auf 70 Prozent gebracht, saugt das Zedernholz über Tage bis Wochen Wasser auf – aus dem Befeuchter und aus allem, was sonst im Humidor liegt.
Liegen bereits Zigarren darin, sind sie die nächste Feuchtequelle. Das Hygrometer zeigt sinkende Werte, obwohl der Befeuchter frisch gefüllt ist, und die Zigarren geben Feuchte ab, statt welche aufzunehmen. Genau das ist der Grund, warum viele Einsteiger in den ersten Wochen über trockene Zigarren und ein vermeintlich defektes Hygrometer klagen.
Ist das Holz einmal gesättigt, dreht sich das Verhältnis um: Die Auskleidung wird zum Puffer, der Feuchte abgibt, wenn der Deckel offen war, und aufnimmt, wenn der Befeuchter zu viel liefert. Humidore aus Acryl oder Glas brauchen dieses Einfahren nicht, weil das Material keine Feuchte speichert; lediglich eingelegte Zedernholz-Tablare benötigen einige Tage.
Vorbereitung: Auspacken, Lüften, Hygrometer und Befeuchter
Zuerst werden Folien, Papiere und Schaumstoffe entfernt, auch die aus den Ecken und zwischen den Trennwänden. Riecht der Innenraum nach Lack oder Leim, bleibt der Deckel ein bis zwei Tage offen; ein würziger Zedernduft ist dagegen erwünscht. Dabei lässt sich auch die Passung des Deckels prüfen.
Der zweite Schritt ist das Hygrometer. Ohne geprüftes Messgerät bleibt jeder Wert während des Einfahrens eine Vermutung. Mitgelieferte Analoggeräte weichen häufig um mehrere Prozentpunkte ab, und auch digitale Geräte sollten kontrolliert werden.
Der Salztest mit Kochsalz und wenigen Tropfen destilliertem Wasser in einem verschlossenen Behälter liefert nach etwa acht bis zwölf Stunden einen Referenzwert von etwa 75 Prozent. Die Abweichung wird nachjustiert oder notiert. Die Einzelheiten stehen unter Hygrometer kalibrieren.
Drittens wird der Befeuchter vorbereitet. Schaumstoff-Befeuchter werden mit destilliertem Wasser oder, nach Herstellerangabe, mit einer Lösung aus destilliertem Wasser und Propylenglykol getränkt und danach abgetropft, bis nichts mehr heraustritt. Acrylpolymer-Kristalle nehmen destilliertes Wasser auf; Zwei-Wege-Packs brauchen keine Vorbereitung. Leitungswasser scheidet aus, weil Kalk und Keime sich im Befeuchter und im Holz absetzen. Welches System wofür taugt, erklärt die Seite Humidor-Befeuchter.
Methoden zum Einfahren im Vergleich
Zum Einfahren braucht das Holz über mehrere Tage eine deutlich höhere Luftfeuchte als später im Betrieb. Drei Wege sind üblich; ein vierter kursiert noch in älteren Anleitungen, ist aber nicht zu empfehlen.
| Methode | Vorgehen | Dauer | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Schale mit destilliertem Wasser | kleine Schale oder Glas auf den Boden stellen, Deckel schließen, täglich nachfüllen | etwa 1–2 Wochen | günstig und bewährt; das Wasser darf das Holz nicht berühren |
| Seasoning-Pack mit 84 % | Zwei-Wege-Packs mit 84 % Zielwert einlegen, Deckel schließen | etwa 2 Wochen | ohne Wasser, ohne Überschießen; Zahl der Packs nach Herstellerangabe zum Volumen |
| Nur der Befeuchter | frisch gefüllten Befeuchter einsetzen, mehrfach nachfüllen | mehrere Wochen | langsam, für kleine Humidore ausreichend |
| Nasser Lappen | Holz mit nassem Tuch auswischen | – | nicht empfehlenswert: Holz kann quellen, Furnier sich lösen, Flecken und Schimmel drohen |
Die Schale ist die einfachste Variante: ein Schnapsglas oder eine flache Schale mit destilliertem Wasser, die frei auf dem Boden steht, dazu der gefüllte Befeuchter an seinem Platz. Das Seasoning-Pack ist die bequemste: Die Packs geben Feuchte ab, bis das Holz gesättigt ist, und können den Zielwert nicht überschreiten. Beide Wege brauchen Geduld. Das Anwärmen des Wassers, das ältere Anleitungen empfehlen, ist nicht nötig und bringt das Risiko mit sich, dass sich Kondenswasser an den Wänden bildet.

Der Ablauf Schritt für Schritt
- Hygrometer kalibrieren und die Abweichung notieren.
- Befeuchter füllen und einsetzen; Trennwände und Tablare in den Humidor legen, damit sie mitfahren.
- Feuchtequelle einbringen: Schale mit destilliertem Wasser oder Seasoning-Packs. Das Hygrometer mittig auf den Boden oder ein Tablar legen, nicht neben die Feuchtequelle.
- Deckel schließen und den Humidor an seinen späteren Standort stellen, fern von Heizung, Fenster und Sonne.
- Täglich kurz kontrollieren, Wasser nachfüllen, den Deckel nicht länger als nötig öffnen. Die Anzeige steigt in den ersten Tagen schnell und pendelt sich dann ein.
- Nach etwa ein bis zwei Wochen die Probe machen: Schale oder Packs entfernen, nur den regulären Befeuchter drinlassen, den Deckel 24 bis 48 Stunden geschlossen halten. Bleibt der Wert stabil bei etwa 65 bis 72 Prozent, ist das Holz gesättigt. Fällt er um mehrere Punkte, wird das Einfahren um einige Tage verlängert.
- Erst dann die Zigarren einsortieren.
Bei großen Humidoren und Schränken dauert der Vorgang länger, weil mehr Holz gesättigt werden muss; dort sind drei bis vier Wochen keine Ausnahme. Bei Schränken mit elektronischer Befeuchtung übernimmt das Gerät die Arbeit, das Prinzip bleibt aber gleich.
Zigarren einsortieren
Ein Humidor sollte nur zu etwa drei Vierteln gefüllt werden. Zwischen den Zigarren und über der obersten Lage muss Luft zirkulieren können, sonst erreichen Feuchte und Luftaustausch die inneren Lagen nicht. Die Zigarren liegen locker, nicht gepresst, und berühren den Befeuchter nicht.
Die Frage nach dem Zellophan hat keine eindeutige Antwort. Die Hülle ist wasserdampfdurchlässig, verlangsamt den Austausch aber, schützt das Deckblatt vor Beschädigung und hält die Aromen verschiedener Zigarren weitgehend getrennt. Ohne Zellophan gleichen sich die Zigarren schneller an das Klima an und reifen etwas zügiger, tauschen aber auch Gerüche untereinander aus. Wer verschiedene Marken mischt oder häufig umsortiert, lässt das Zellophan dran; wer eine Kiste gleicher Zigarren über Jahre reifen lassen möchte, kann es entfernen. Zigarren in Tubos nehmen bei geschlossener Kappe kaum Feuchte auf; die Kappe wird deshalb gelockert oder abgenommen.
Aromatisierte Zigarren gehören in einen eigenen Behälter, weil ihre Zusätze sich auf alles übertragen, was daneben liegt. Kräftige und milde Zigarren lassen sich mit Trennwänden voneinander abgrenzen; der Zedernduft des Humidors überdeckt kleine Unterschiede ohnehin. Ganze Kisten können mit geöffnetem oder leicht angehobenem Deckel eingelagert werden.
Die ersten Wochen: kontrollieren und nachjustieren
Nach dem Befüllen sinkt die Luftfeuchte zunächst noch einmal, weil die neuen Zigarren Feuchte aufnehmen. Das ist normal und kein Grund, den Befeuchter zu überfüllen. In den ersten zwei Wochen wird täglich abgelesen, danach genügt eine wöchentliche Kontrolle. Fällt der Wert dauerhaft unter etwa 65 Prozent, wird der Befeuchter nachgefüllt oder ein Pack ergänzt; liegt er über mehrere Tage über etwa 72 Prozent, wird ein Teil der Befeuchtung entfernt und der Deckel einmal kurz gelüftet.
Zigarren brauchen ein bis zwei Wochen, dicke Formate auch länger, um sich an das Klima anzupassen. Wer in den ersten Tagen eine Zigarre probiert und einen schweren Zug oder ein brüchiges Deckblatt feststellt, beurteilt noch den Transportzustand, nicht den Humidor. Kleine Schwankungen um zwei bis drei Punkte, etwa nach dem Öffnen oder bei Wetterwechsel, sind kein Handlungsgrund. Mit der Heizperiode steigt der Nachfüllbedarf, im Sommer sinkt er. Die laufende Routine – wöchentlich Hygrometer, monatlich Befeuchter, halbjährlich Kalibrierung – beschreibt die Seite Humidor-Pflege.
Typische Fehler beim Einrichten
- Zigarren kommen sofort in den neuen Humidor; das trockene Holz entzieht ihnen Feuchte.
- Der Befeuchter wird mit Leitungswasser gefüllt.
- Das Holz wird nass ausgewischt; Furnier wölbt sich, Flecken bleiben.
- Das Hygrometer wird ungeprüft übernommen und steckt zudem in der Deckelfront.
- Der Humidor wird beim Einfahren überfeuchtet, sodass Kondenswasser an den Wänden steht und Zigarren aufquellen.
- Der Deckel wird mehrmals täglich geöffnet, um nachzusehen.
- Der Humidor steht auf der Fensterbank, neben der Heizung oder auf einem Gerät, das Wärme abgibt.
- Aromatisierte Zigarren liegen neben klassischen.
- Kleine Schwankungen lösen hektisches Nachfüllen oder Leeren aus.
Kurz zusammengefasst
Ein Humidor ist erst dann bereit für Zigarren, wenn sein Holz gesättigt ist. Der Weg dorthin: Hygrometer kalibrieren, Befeuchter mit destilliertem Wasser vorbereiten, das Holz über ein bis zwei Wochen mit einer Schale destilliertem Wasser oder mit Seasoning-Packs befeuchten, dann ohne zusätzliche Feuchtequelle prüfen, ob der Wert bei etwa 65 bis 72 Prozent stabil bleibt. Danach die Zigarren locker einsortieren, aromatisierte getrennt halten und die ersten Wochen regelmäßig, aber ohne Hektik kontrollieren.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Einfahren eines Humidors?
Kann man einen Humidor mit Leitungswasser einfahren?
Muss ein Acryl-Humidor auch eingefahren werden?
Darf man das Holz mit einem feuchten Tuch auswischen?
Zigarren mit oder ohne Zellophan in den Humidor legen?
Quellen und weiterführende Hinweise
- Herstellerangaben Boveda zu Seasoning-Packs (84 %) und Zwei-Wege-Humidipacks